Nicht jedes Kind erblickt das Licht der Welt durch eine vaginale Entbindung. Manchmal endet eine Schwangerschaft geplant oder ungeplant im Operationssaal.

Es ist mir ein besonders Anliegen, Frauen, deren Kinder auf diese Weise zur Welt kommen, zu begleiten. Ich sitze z.B. bei Ihnen am Kopfende, während Ihr Partner und die Hebamme mit dem neugeborenen Kind zum Kinderarzt gehen. Ich berichte Ihnen, was gerade um Sie herum passiert und kann dafür sorgen, dass Sie die Plazenta mit nach Hause nehmen können, wenn Sie dies möchten. Wenn Sie es wünschen, mache ich in Absprache mit dem Krankenhaus Fotos bzw. filme die Geburt. Das hilft manchen Frauen später die Erinnerungslücken zu schließen, die eine solche Geburt mit sich bringen kann. Auch ein Kaiserschnitt ist eine Geburt. Und ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, Ihnen mit meinen Möglichkeiten diese Geburt so angenehm wie möglich zu gestalten.

Die Kaiserschnittzahlen steigen. Was früher eine Notoperation war, ist heute eine gängige Geburtspraxis. Ohne Frage ist diese Art der Geburt manchmal unumgänglich und lebensrettend. Es gibt jedoch absolute und auch fragwürdig Indikationen.                                                                                           

Für einen Laien bleibt es immer schwer, zu beurteilen, wie notwendig der Kaiserschnitt war bzw. sein wird.

So unterschiedlich die Indikationen sind, so verschieden ist der Umgang der betroffenen Frauen mit dem Kaiserschnitt.

Ich setze mich dafür ein, dass bekannter wird, dass es Frauen gibt, die unter dieser Schnittentbindung leiden und traumatisiert sind - egal ob der Kaiserschnitt medizinisch notwendig war oder nicht.     

All zu oft wird gesagt, das Wichtigste sei, dass das Kind und die Mutter leben und gesund sind. Ich weiß aus eigener Erfahrung und durch Gespräche mit anderen betroffenen Frauen, wie wenig hilfreich diese pragmatische Feststellung für eine trauernde Mutter ist. Ich wünsche mir, dass Frauen mit diesen Gefühlen mehr ernst genommen und akzeptiert werden.

Besuchen Sie auch:  www.bauchgeburt.de

EMPFEHLUNGEN FÜR KAISERSCHNITT-GEBURTEN (Version Mai 2007) aus dem Buch:                                           "Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht"

www.kaiserschnittbuch.de 

1. Indikation überprüfen

Zweitmeinung - Ist der Kaiserschnitt wirklich unvermeidbar?Gegebenenfalls Einholung einer Zweitmeinung (Hebamme,  GynäkologIn, Ärztin, je nach Indikation)                                         

2. Wenn medizinisch möglich, Zeit zum Gebären im Rhythmus der Frau und des Kindes

Geplante Sectio - Viele Hebammen sind der Meinung, dass es ideal wäre, natürliche Wehen abzuwarten. Manchmal sind damit sogar die betreuenden Gynäkologen einverstanden; alternativ dazu nach Möglichkeit 3 Stunden vor der Sectio Weheninfusion bei der Schwangeren anhängen, damit sich Gebärmutter und Baby auf den Eingriff vorbereiten können

Unterstützung - Der Partner, eine bekannte Hebamme oder andere Vertrauenspersonen können Wünsche der Mutter dann zum Ausdruck bringen, wenn sie selbst nicht ansprechbar oder geschwächt ist, die diesbezügliche Organisation im Vorfeld einer geplanten Sectio sollte nicht außer Acht gelassen werden.

3. Vorbereitung auf die Kaiserschnitt-Geburt

Was passiert? - Verständliche Erklärungen für die Mutter (und den Partner), was jetzt im Einzelnen geschehen wird; auch und gerade dann wenn es sich um eine Notsectio handelt!

Anästhesie - Nach Möglichkeit keine Vollnarkose: bei PDA /Spinalanästhesie Mutter nach Entwicklung des Kindes nicht unnötig einschlafen lassen, denn der wichtige Erstkontakt geht so verloren.


4. Während der Kaiserschnitt-Operation

Was passiert? - Verständliche Erklärungen für die Mutter (und den Partner), was jetzt im Einzelnen geschehen wird.

Abnabelung - Bei einem Kaiserschnitt darf aus medizinischen Gründen (massiver Blutverlust) nicht gewartet werden, bis die Nabelschnur auspulsiert ist. Unter Umständen kann es hilfreich sein, etwa 14 Tage nach dem Kaiserschnitt beim Kind zum Beispiel mit Hilfe von Cranio-Sacral-Therapie oder Osteopathie eventuelle Störungen, welche durch das sofortige Abnabeln entstanden sind, zu korrigieren.

Beimpfung - Zur Idee der möglichen Beimpfung des Säuglings mit "Scheidenmilieu" der gesunden, optimal ernährten Mutter zur Förderung der normalen Kolonisierung des Säuglingdarmes siehe Artikel auf Seite 340 in "Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht".

Stammzellenentnahme - Ist eine Stammzellenentnahme erwünscht?

Absaugen - Wenn medizinisch möglich, Nase des Babys nicht absaugen, denn dadurch schwellen die Schleimhäute an und das Kind als reiner Nasenatmer kommt in Not. Beim Absaugen des kindlichen Gaumens kommt es zu einer intensiven Manipulation. Dadurch kann das Saugzentrum irritiert werden, was eventuell Stillprobleme zu Folge hat.

Erstkontakt - Baby und Mutter dürfen sich unmittelbar nach der Geburt Haut auf Haut, nicht in Tücher eingewickelt, kennen lernen. Bereitlegen einer Wärmedecke: Anziehen und Baden erfolgen erst später!

Stillen - Das erste Anlegen erfolgt nach Möglichkeit noch im OP. Die Mutter erhält beim richtigen Anlegen Unterstützung von Hebamme/Krankenschwester.

Kinderarzt- Das erste Bonding abwarten, wenn das Kind gut atmet. Neugeborenenstatus erst nach dem Stillen.


5. Im Anschluß an die Geburt

Nabelschnur/Plazenta - Herzeigen und erklären. Möglichkeiten schaffen, dass die Mutter beides bei Entlassung aus dem Krankenhaus mit nach Hause nehmen kann, so der Wunsch danach besteht.

Wochenbett - Beständige Unterstützung der Kaiserschnitt-Mutter (Stillen, Aufstehen, Versorgung des Kindes,...). Mobilisation und Therapie der Kaiserschnitt-Narbe durch Hebamme/TherapeutIn.

OP-Bericht - Erstellung und automatische Aushändigung eines informativen OP-Berichtes bei Entlassung.